BP im Wandel: Strategiewechsel trotz Gewinneinbruch – Was bedeutet das für die Zukunft?
Der britische Ölriese BP hat im ersten Quartal 2025 einen deutlichen Gewinnrückgang verzeichnet. Trotz eines kürzlich angekündigten Strategiewechsels und fallender Ölpreise bleibt das Unternehmen optimistisch. Doch wie nachhaltig ist diese Zuversicht? Und welche Auswirkungen könnte die aktuelle Entwicklung auf den Energiemarkt haben?
BP verfehlt Gewinnerwartungen – Zahlen im Detail
BP meldete für das erste Quartal einen bereinigten Gewinn nach Ersatzwertmethode (Underlying Replacement Cost Profit) von 1,38 Milliarden US-Dollar. Damit blieb das Ergebnis unter den Analystenerwartungen von 1,6 Milliarden US-Dollar (LSEG-Konsens). Im Vergleich zum Vorjahresquartal (2,7 Milliarden US-Dollar) und zum letzten Quartal 2024 (1,2 Milliarden US-Dollar) zeigt sich ein deutlicher Rückgang.
Operative Stärke trotz finanzieller Herausforderungen
BP-CEO Murray Auchincloss betonte jedoch die positiven operativen Entwicklungen: "Wir hatten ein starkes operatives Quartal – die beste Upstream-Effizienz in unserer Geschichte, Rekordwerte in unseren Raffinerien und sechs erfolgreiche Explorationen in Folge." Zudem wurden drei Großprojekte gestartet, was auf eine langfristige Ausrichtung hindeutet.
Strategiewechsel: Rückbesinnung auf Öl und Gas
Im Februar 2025 kündigte BP eine Neuausrichtung an: Die Investitionen in erneuerbare Energien werden gekürzt, während die Ausgaben für das Kerngeschäft mit fossilen Brennstoffen steigen. Dies soll das Vertrauen der Investoren stärken – eine Reaktion auf den anhaltenden Druck von Aktionären und Aktivisten.
Aktivistische Investoren erhöhen den Druck
Besonders die US-Hedgefonds Elliott Management, mit über 5 % Anteil zweitgrößter BP-Aktionär, fordert eine noch stärkere Fokussierung auf Öl und Gas. Beim letzten Hauptversammlung stimmten fast 25 % der Aktionäre gegen die Wiederwahl des scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden Helge Lund – ein klares Signal der Unzufriedenheit.
Übernahmespekulationen: Ist BP ein attraktives Ziel?
BP hinkt im Vergleich zu Konkurrenten wie Exxon, Chevron und Shell hinterher. Das macht den Konzern zu einem potenziellen Übernahmekandidaten. CEO Auchincloss wies diesbezügliche Spekulationen jedoch zurück: "Wir sind ein starkes, unabhängiges Unternehmen mit branchenführendem Wachstum." Eine staatliche Schutzmaßnahme sei nicht beantragt worden.
Ölpreise und Marktunsicherheiten
Die fallenden Ölpreise (Brent Crude zuletzt bei ~65 USD/Barrel) könnten die Pläne von BP beeinflussen. Dennoch sieht das Unternehmen sich gut aufgestellt: "Wir haben ein ausgewogenes Produktportfolio – Öl, Gas und Raffinerieprodukte." Die Diversifikation soll Risiken mindern.
Fazit: Was bedeutet das für den Energiemarkt?
BPs aktuelle Entwicklung zeigt einen Branchentrend: Trotz Klimazielen bleibt Öl und Gas vorerst unverzichtbar. Der Druck von Investoren könnte weitere Unternehmen zu ähnlichen Kurskorrekturen bewegen. Kurzfristig dürften die Ölpreise weiterhin volatil bleiben, während langfristig die Frage bleibt, wie nachhaltig die Rückkehr zu fossilen Brennstoffen wirklich ist. Die nächsten Quartalszahlen und mögliche Übernahmeangebote werden entscheidend sein.