Iran und die USA: Zweite Verhandlungsrunde zum Atomprogramm in Rom
Die Spannungen zwischen dem Iran und den USA bleiben hoch, doch die diplomatischen Gespräche gehen weiter. Am Samstag trafen sich Vertreter beider Länder in Rom zu einer zweiten Verhandlungsrunde über Teherans umstrittenes Atomprogramm. Die Gespräche fanden in der omanischen Botschaft im römischen Stadtteil Camilluccia statt und wurden von omanischen Diplomaten vermittelt. Während die Atmosphäre angespannt blieb, signalisierten beide Seiten den Willen zur Fortsetzung des Dialogs.
Historischer Kontext: Jahrzehnte der Feindseligkeit
Die Verhandlungen markieren einen bedeutenden Moment in den bilateralen Beziehungen, die seit der Islamischen Revolution 1979 und der Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran von Misstrauen geprägt sind. Der von den USA unter Donald Trump 2018 vollzogene Ausstieg aus dem Atomabkommen (JCPOA) verschärfte die Krise. Seither hat der Iran sein Urananreicherungsprogramm massiv ausgeweitet, während die USA mit Sanktionen reagierten. Die aktuelle Gesprächsrunde könnte ein erster Schritt zur Deeskalation sein – oder aber weitere Spannungen auslösen.
Die Schlüsselakteure der Verhandlungen
Auf amerikanischer Seite leitete der Sondergesandte Steve Witkoff die Delegation, während der iranische Außenminister Abbas Araghchi Teheran vertrat. Die Gespräche waren zunächst indirekt, mit getrennten Delegationen in unterschiedlichen Räumen. Oman, ein traditioneller Vermittler zwischen dem Iran und dem Westen, spielte erneut eine zentrale Rolle. Der omanische Außenminister Badr al-Busaidi versuchte, Brücken zwischen den verhärteten Positionen zu bauen.
Kernfragen: Urananreicherung und Sanktionen
Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Frage, unter welchen Bedingungen der Iran seine Urananreicherung einschränken würde. Die USA fordern eine vollständige Einstellung, während Teheran lediglich zu einer Reduzierung auf 3,67 % bereit ist – das Niveau des ursprünglichen JCPOA. Ein weiterer Streitpunkt sind die US-Sanktionen, deren Aufhebung der Iran als Voraussetzung für jede Einigung betrachtet. Wirtschaftlich ist das Land unter enormem Druck: Der Rial ist stark abgewertet, und die Inflation treibt die Unzufriedenheit im Land weiter an.
Regionale Spannungen als zusätzlicher Faktor
Die Verhandlungen finden vor dem Hintergrund eskalierender Konflikte im Nahen Osten statt. Der Krieg in Gaza, die Angriffe der Houthi-Rebellen im Jemen und die anhaltende Präsenz iranischer Milizen in Syrien und Irak belasten die Gespräche. Israel hat wiederholt mit Militärschlägen gegen iranische Atomanlagen gedroht, was die Gefahr einer weiteren Destabilisierung erhöht.
Wirtschaftliche Interessen und diplomatische Signale
Für den Iran geht es nicht nur um Sicherheitsfragen, sondern auch um wirtschaftliche Entlastung. Die Ankunft zweier Airbus-Flugzeuge in Teheran – trotz US-Sanktionen – könnte ein Signal für mögliche Lockerungen sein. Experten spekulieren, dass Washington Teheran mit begrenzten Zugeständnissen zur Kooperation bewegen will. Ob dies gelingt, hängt jedoch von der Bereitschaft beider Seiten ab, Kompromisse einzugehen.
Die Rolle Russlands und der IAEA
Russland, ein wichtiger Partner des Iran, könnte bei einer möglichen Einigung eine Schlüsselrolle spielen. Moskau hat bereits angedeutet, angereichertes Uran aus dem Iran zu übernehmen. Gleichzeitig wird die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) entscheidend sein, um die Einhaltung etwaiger Vereinbarungen zu überwachen. IAEA-Chef Rafael Grossi traf sich am Rande der Gespräche mit italienischen Vertretern, was die Bedeutung der Atomaufsicht unterstreicht.
Fazit: Was bedeutet das für die kommenden Wochen?
Die Verhandlungen in Rom haben gezeigt, dass beide Seiten weiterhin am Verhandlungstisch bleiben wollen – auch wenn substanzielle Fortschritte noch ausstehen. Sollte es in den nächsten Wochen zu einer teilweisen Einigung kommen, könnte dies die Märkte beruhigen, insbesondere im Hinblick auf Ölpreise und regionale Stabilität. Sollten die Gespräche jedoch scheitern, drohen weitere Sanktionen, militärische Eskalation und wirtschaftliche Turbulenzen. Die Welt wird die Entwicklungen genau beobachten müssen.