Handelskonflikte zwischen EU und USA: Warum neue Zölle beide Seiten schädigen
Die Spannungen im transatlantischen Handel nehmen zu, während die Europäische Union und die USA weiterhin um ein Handelsabkommen ringen. Europäische Politiker warnen vor den wirtschaftlichen Folgen neuer Zölle – für beide Seiten. Doch trotz der Herausforderungen bleibt die Hoffnung auf eine Einigung bestehen.
Die aktuelle Lage: Verhandlungen unter Zeitdruck
Die EU und die USA stehen vor einer entscheidenden Phase in ihren Handelsgesprächen. US-Präsident Donald Trump hatte ursprünglich eine 20-prozentige „reziproke“ Abgabe auf alle EU-Waren angekündigt, diese jedoch für 90 Tage ausgesetzt und vorläufig auf 10 % gesenkt. Dennoch bleiben Strafzölle auf Autos (25 %) sowie Stahl- und Aluminiumimporte bestehen. Die EU hat als Reaktion ihre geplanten Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Waren im Wert von 21 Milliarden Euro vorerst pausiert, um Raum für Verhandlungen zu schaffen.
Wirtschaftliche Risiken: Wer verliert am meisten?
Laut Eurogroup-Präsident Pascal Donohoe könnten beide Volkswirtschaften erheblich leiden, falls keine Einigung erzielt wird. „Wenn wir die Zeit nicht klug nutzen, riskieren wir Maßnahmen, die Europa und Amerika schaden“, warnte er auf den Frühjahrstagungen des IWF und der Weltbank in Washington. Spaniens Finanzminister Carlos Cuerpo betonte, dass täglich Waren und Dienstleistungen im Wert von 4,5 Milliarden Euro zwischen den beiden Wirtschaftsblöcken gehandelt werden – ein „Schatz, den es zu schützen gilt“.
Handelsbilanz und Schlüsselbranchen
Die EU verzeichnete 2023 einen Handelsüberschuss von 155,8 Milliarden Euro mit den USA bei Gütern, während sie im Dienstleistungssektor ein Defizit von 104 Milliarden Euro aufwies. Die wichtigsten Exportgüter der EU in die USA sind:
- Maschinen und Fahrzeuge
- Chemikalien
- Pharmazeutische Produkte
- Andere Industriegüter
Tech-Konflikt verschärft die Spannungen
Die Verhandlungen wurden zusätzlich belastet, nachdem die EU Tech-Giganten wie Apple und Meta mit milliardenschweren Strafen belegte – wegen Verstößen gegen die digitalen Wettbewerbsregeln des Blocks. Dies könnte die ohnehin angespannte Atmosphäre weiter trüben.
Warnungen des IWF: Globale Wirtschaft in Gefahr
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seinem jüngsten Weltwirtschaftsausblick vor den Folgen der US-Zölle gewarnt. Die Prognosen wurden deutlich nach unten korrigiert:
- US-Wachstum 2025: nur noch 1,8 % (0,9 % weniger als im Januar prognostiziert)
- Globales Wachstum: 2,8 % (minus 0,5 %)
- Eurozone: 0,8 % (2025), leicht steigend auf 1,2 % (2026)
Einziger Lichtblick ist Spanien, dessen Wirtschaft 2025 voraussichtlich um 2,5 % wachsen wird – dank einer starken Erholung nach Naturkatastrophen und besserer Konjunkturdaten als erwartet.
Fazit: Was bedeutet das für die Märkte in den kommenden Wochen?
Die nächsten Wochen werden entscheidend sein, ob eine handfeste Eskalation des Handelsstreits vermieden werden kann. Sollten die Verhandlungen scheitern, könnten die bereits spürbaren wirtschaftlichen Verwerfungen weiter zunehmen. Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks dürften mit Investitionszurückhaltung reagieren, während Verbraucher mit höheren Preisen rechnen müssen. Gleichzeitig könnte ein erfolgreicher Deal nicht nur die unmittelbaren Zollbelastungen abwenden, sondern auch das Vertrauen in die transatlantische Partnerschaft stärken – was langfristig positive Signale für die globale Wirtschaftsentwicklung setzen würde.