Tech-Giganten entfachen Börsenfeuerwerk: Wie Apple und Amazon die Märkte beflügeln
Die US-Börsen stehen am Freitag im Zeichen eines kraftvollen Tech-Rebounds. Nach durchwachsenen Handlungstagen haben die positiven Quartalszahlen der Schwergewichte Apple und Amazon eine regelrechte Erholungsrally ausgelöst. Die Futures für den technologieorientierten Nasdaq 100 schossen dabei mit einem Plus von über 1,3 Prozent deutlich in die Höhe, während die S&P 500-Futures um 0,7 Prozent zulegten. Diese Entwicklung unterstreicht die ungebrochene Dominanz der Tech-Branche und ihre Rolle als Stimmungsbarometer für die gesamte Wall Street.
Amazon: Die Wolke lichtet sich – AWS-Wachstum begeistert die Anleger
Die Anteile des E-Commerce-Riesen Amazon explodierten im After-Hours-Handel um mehr als 13 Prozent. Dieser massive Kursanstieg ist vor allem auf die überraschend starken Zahlen des Cloud-Computing-Bereichs Amazon Web Services (AWS) zurückzuführen. Mit einem Umsatzwachstum von 20 Prozent auf 33 Milliarden US-Dollar im dritten Quartal übertraf AWS deutlich die Erwartungen der Analysten. Dieser Beschleunigungseffekt kommt zur rechten Zeit, nachdem das Wachstum in den Vorquartellen etwas an Tempo verloren hatte. "Nach einer erneuten Beschleunigung des AWS-Wachstums und den positiven Kommentaren in diesem Quartal glauben wir, dass die Anleger wieder Vertrauen in die Fähigkeit des Managements gefasst haben, eine führende Position im KI-Bereich zu behaupten", kommentierte Dan Ives, Technologie-Analyst bei Wedbush Securities. Die gestiegene Ausgabenprognose für Investitionen in Höhe von 125 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 signalisiert zudem, dass Amazon bereit ist, im Wettrennen um die künstliche Intelligenz weiter massiv zu investieren.
Apple: Starke iPhone-Nachfrage treibt optimistische Prognose an
Auch der iPhone-Hersteller Apple überzeugte die Märkte. Die Aktie legte etwa zwei Prozent zu, nachdem das Unternehmen nicht nur die Erwartungen an Umsatz und Gewinn übertraf, sondern auch eine optimistische Prognose für das wichtige Weihnachtsgeschäft abgab. Der Absatz der iPhone-17-Serie verlief nach Aussagen von CEO Tim Cook "völlig außerhalb aller Charts". Bemerkenswert ist, dass Apple im September-Quartal einen Umsatz von 102 Milliarden US-Dollar erzielte – ein historischer Wert für ein Nicht-Weihnachtsquartell und ein klares Signal für die anhaltende Robustheit der Verbrauchernachfrage trotz makroökonomischer Unsicherheiten.
Die 100-Milliarden-Dollar-Club: Eine Liga der Giganten
Mit den jüngsten Berichten haben sich Apple und Amazon in eine extrem exklusive Gruppe von Unternehmen eingereiht, die im Quartal mehr als 100 Milliarden US-Dollar Umsatz generieren. Zu diesem erlesenen Kreis gehören zudem Alphabet (Google), CVS Health, Walmart und UnitedHealth. Amazon geht sogar noch einen Schritt weiter und prognostiziert erstmals in der Unternehmensgeschichte einen Quartalsumsatz von über 200 Milliarden US-Dollar für das vierte Quartal. Diese Zahlen unterstreichen die schiere Marktmacht und Skalierbarkeit dieser Mega-Caps.
Breiter Marktkontext: Eine Woche der Gegensätze
Die positiven Nachrichten von Apple und Amazon kamen genau zum richtigen Zeitpunkt, um die Stimmung nach einem schwachen Börsentag am Donnerstag aufzuhellen. Die Indizes S&P 500 und Nasdaq Composite hatten zuvor Verluste von 0,99 Prozent bzw. 1,58 Prozent verbucht, angetrieben durch einen massiven Einbruch der Meta-Aktie und Bedenken hinsichtlich der steigenden KI-Ausgaben bei Unternehmen wie Microsoft und Nvidia. Der Ausverkauf bei Meta markierte den größten Tagesverlust seit drei Jahren und erinnerte die Anleger schmerzlich an die Volatilität, die auch in bullishen Märkten lauert.
Geopolitische Beruhigung: Ein Handelswaffenstillstand zwischen den USA und China
Ein weiterer positiver Impuls kam von der geopolitischen Front. Die Präsidenten Donald Trump und Xi Jinping verkündeten nach einem Treffen in Südkorea einen einjährigen Handelswaffenstillstand. Diese Vereinbarung, die eine sofortige Senkung der US-Zölle auf chinesische Waren um 10 Prozent vorsieht, dämpfte die unmittelbaren Befürchtungen vor einer eskalierenden Handelsspannung zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Auch wenn langfristige Streitpunkte wie Exportkontrollen für fortschrittliche KI-Chips von Nvidia vorerst ungelöst blieben, schaffte die Ankündigung doch eine Atmosphäre der kurzfristigen Entspannung.
Zwischen Bullenrun und Inflationssorgen: Die Zinsperspektive der Fed
Während die Unternehmensgewinne glänzen, bleibt die Geldpolitik der US-Notenbank (Fed) ein kritischer Faktor. Jeffrey Schmid, Präsident der Fed von Kansas City, begründete seine Stimme gegen den jüngsten Zinssenkungsbeschluss mit anhaltenden Inflationsbedenken. "Die Aktienmärkte befinden sich nahe Rekordhöhen, Unternehmensanleihen-Spreads sind sehr eng. Nichts davon deutet darauf hin, dass die Finanzierungsbedingungen besonders restriktiv sind", so Schmid. Seine Haltung spiegelt die Spaltung innerhalb der Fed wider und zeigt, dass der Weg zu weiteren Zinssenkungen alles andere als garantiert ist, solange die Inflation nicht nachhaltig auf das Zwei-Prozent-Ziel zurückgeht.
Weitere Gewinner und Verlierer im Einzelblick
Neben den Tech-Giganten gab es eine Reihe weiterer bemerkenswerter Kursbewegungen:
- AGCO: Die Aktie des Landmaschinenherstellers stieg nach starken Quartalszahlen und einer Anhebung der Jahresprognose um fast 4 Prozent.
- Chevron: Der Ölmulti legte trotz eines Gewinnrückgangs leicht zu, nachdem er die Gewinnerwartungen übertraf und eine Rekordproduktion vermeldete.
- Exxon Mobil: Die Aktie fiel, nachdem der Konzern über einen Gewinnrückgang von 12 Prozent berichtete, was vor allem auf die gesunkenen Ölpreise zurückzuführen ist.
- Brighthouse Financial: Die Versicherungsaktie erlebte einen Höhenflug von 23 Prozent nach Berichten über eine mögliche Übernahme und Privatisierung.
- Netflix: Der Streaming-Pionier kündigte einen Aktiensplit im Verhältnis 10:1 an, was die Aktie ebenfalls beflügelte.
Fazit und Marktausblick für die kommenden Wochen
Die überwältigenden Ergebnisse von Apple und Amazon haben dem Markt eine klare Richtung vorgegeben: Die Tech-Rally hat noch Luft nach oben. Für die nächsten Wochen deutet dies auf ein anhaltend positives Marktumfeld hin, das jedoch von mehreren Faktoren abhängen wird. Die Fähigkeit der Tech-Giganten, ihre Wachstumsraten im Cloud- und KI-Bereich aufrechtzuerhalten, wird entscheidend sein, um die hohen Bewertungen zu rechtfertigen. Gleichzeitig werden die Anleger die kommenden Wirtschaftsdaten, insbesondere die Inflationszahlen, genau beobachten, um die zukünftige Zinspolitik der Fed einschätzen zu können. Der Handelswaffenstillstand zwischen den USA und China bietet zwar kurzfristige Erleichterung, aber die strukturellen Spannungen bleiben bestehen und könnten die Volatilität jederzeit wieder anheizen. Insgesamt scheint der Markt bereit, das positive Momentum der Tech-Branche mitzunehmen. Sollten die Verbraucherausgaben im Weihnachtsgeschäft die optimistischen Prognosen von Apple und Amazon bestätigen, könnte dies die Grundlage für einen starken Jahresendrally legen. Die Warnung des Fed-Präsidenten Schmid sollte den Anlegern jedoch ins Gedächtnis rufen, dass die Tage des billigen Geldes vorbei sind und die Bewertungen in einem höheren Zinsumfeld härter auf die Probe gestellt werden.